Balkongeländer Vorschriften

Viele Balkongeländer wurden in den letzten Jahrzehnten gebaut und entsprechen nicht den vorgegebenen Normen und Bestimmungen.

Dadurch befinden sich Planer, Wohnungsunternehmen, Hausverwaltungen und Montagefirmen in einer 30jährigen Vollhaftung nach § 319 StGB (Baugefährdung).


Die häufigsten Fehler sind:

-   kein Standsicherheitsnachweis bzw. keine geprüfte Statik laut jeweiliger Landesbauordnung

-   Dübelverordnungen und Vorgaben der Dübelhersteller werden nicht eingehalten

-   ETB-Richtlinien für Verkleidungen werden nicht beachtet

-   fehlender Eignungsnachweis für geschweißte Geländer nach DIN 18800, Teil 7, Ziffer 6

-   Unterdimensionierung der Bauteile, zu große Pfostenabstände

-   Unkenntnis der allgemein anerkannten Regeln der Technik

Unzählige Geländer sind zum Teil schon über 100 Jahre alt und stehen heute immer noch! Warum?

Die Geländerpfosten wurden damals aus Vollmaterial hergestellt, dadurch ist eine Innenkorrosion ausgeschlossen. Meist wurden die Pfosten mit vergossenem Blei von oben in der Balkonplatte befestigt. 

Somit hat man eine dehnungsaktive Befestigung geschaffen, die langfristig so gut wie wasserdicht ist.

Diese Methode ist bekannt und bewährt, jedoch heute in der Masse nicht mehr bezahlbar!

Aus Kostengründen wurden nach 1945 Vierkantrohre und Rundrohre eingesetzt.

Durch unterschiedliche Herstellungs- und Verarbeitungsqualitäten sowie mangelhafte (oder gar keine) Verzinkungsschicht sind Schäden durch Korrosion von außen und innen aufgetreten.

Eine absturzsichernde Wirkung ist daher bei manchen Balkongeländern nicht mehr gewährleistet.

Dübelvorschriften

Die Dübelverordnung muss eingehalten werden. Es dürfen nur bauaufsichtlich zugelassene Dübelsysteme unter Beachtung der Rand- und Achsabstände sowie der Balkonplattenstärke verwendet werden.

Spreizdübel und Schwerlastanker sind im vorderen Randbereich der Balkonplatte unzulässig.

Die erforderlichen Rand- und Achsabstände dieser Dübelarten sind so groß, dass ihr Einsatz fast immer unmöglich ist. Selbst ohne Geländerbelastung durch Personen oder Windlasten sind bei diesen Dübeln ständige Druckspannungen im Befestigungsbereich.

Zulässige Dübel für den vorderen Randbereich sind zum Beispiel Verbundanker oder Hinterschnittanker, natürlich unter Einhaltung der Herstellervorgaben. Aktuelle Produkte finden Sie bei den zum Beispiel bei den Firmen FISCHER, HILTI oder WÜRTH.

DIN-Normen

Der kleine Eignungsnachweis (DIN 18800, Teil  7, Ziffer 6) besagt: Geschweißte, tragende Bauteile, die ohne den kleinen Eignungsnachweis hergestellt worden sind, gelten als nicht normgerecht ausgeführt.

Bauteile aus nicht rostenden Stählen sowie ST 52 dürfen mit einer Erweiterung des kleinen Eignungsnachweises geschweißt werden. Der kleine Eignungsnachweis ist eine spezielle Schweißerprüfung und nur für einen bestimmten Zeitraum für den Prüfling (nicht automatisch für die ganze Metallbau-Firma!) gültig. Nach diesem Zeitraum ist eine erneute Prüfung vorgeschrieben.

Die DIN 1055, Teil 3, Absatz 7 legt die Verkehrslasten eindeutig fest. Sie besagt, dass ein Geländer 50 kg Dauerbelastung in Handlaufhöhe halten muss, berechnet auf 1 m Handlauflänge.


Die Handlaufhöhe wird in den meisten Bundesländern vorgeschrieben auf mindestens 0,90 m (bis 12 m Absturzhöhe) und mindestens 1,10 m (ab 12 m Absturzhöhe).

Wir empfehlen zur Sicherheit eine Geländerhöhe von mindestens 1,00 m auch unter 12 m Absturzhöhe, da die Durchschnittskörpergröße der Menschen in den letzten Jahrzehnten immer größer geworden ist.

Für ein sicheres Gefühl auf dem Balkon!

Weiterführende Fachliteratur zum Thema